{"id":80,"date":"2014-10-11T10:08:42","date_gmt":"2014-10-11T08:08:42","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinsameltern.blogsport.de\/2014\/10\/17\/grosse-momente\/"},"modified":"2014-10-11T10:08:42","modified_gmt":"2014-10-11T08:08:42","slug":"grosse-momente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsameltern.de\/?p=80","title":{"rendered":"Gro\u00dfe Momente"},"content":{"rendered":"<p>Die anderen sind weggefahren, ich bleibe alleine zu Hause. Kiko f\u00e4hrt mit A-lex und Emma nach M\u00fcnchen, Yuriko f\u00e4hrt zu einer Freundin in der Pfalz, ganz allein in Norddeutschland bleibt Heiko. Ein ganz komisches Gef\u00fchl zwischen Gl\u00fcck und Sehnsucht, eigentlich vielleicht Traurigkeit: Als wir auf der Treppe stehen und uns von Kiko verabschieden. Yuriko w\u00fcnscht ihr eine gute Reise mit A-lex und Emma, ich sage erst nur Tsch\u00fcs und winke, Kiko winkt zur\u00fcck und dann will ich doch noch n\u00e4her zu ihr kommen und um einen Kuss bitten, den ich sogleich bekomme. Yuriko bekommt auch einen, dann hebt A-lex sie hoch und stapft mit Handkarren und Emma in Richtung Bushaltestelle. Er tr\u00e4gt Kiko weg und sie l\u00e4sst es zufrieden geschehen, f\u00e4ngt gleich an, etwas zu erz\u00e4hlen und dreht sich nicht mehr nach uns um. Ich kann den Kopf nicht abwenden; als sie von der Veranda aus nicht mehr zu sehen sind, gehe ich ins Haus und erhasche noch einen Blick aus dem Fenster \u2013 Kiko schaut nicht zur\u00fcck. Sie ist bei ihren Eltern, sogar bei zweien, und ist zufrieden. So konkret f\u00fchlt sich gemeinsame Elternschaft nur selten an.<\/p>\n<p>Danach r\u00e4ume ich die K\u00fcche auf: Stofftiere, B\u00fccher, Malkreiden, Plastikfl\u00e4schchen mit Plastikbuchstaben gef\u00fcllt, Papierschnipsel, Tuppersch\u00fcsseln, K\u00fcchensiebe, ein Topf und die von A-lex auf Papier gemalte Herdplatte. Den Rest Dinkelmilch in ihrem Fl\u00e4schchen und zwei angenagte \u00c4pfel nehme ich mit in mein Zimmer, \u00c4pfel esse ich im Laufe des Vormittages und die Milch kommt sp\u00e4ter in den Kaffee. Die anderen haben mir jeweils drei ganz tolle Tage allein gew\u00fcnscht \u2013 ich werde sicher gut arbeiten k\u00f6nnen. Aber ich werde vor allem auch merken, was wir so ganz allt\u00e4glich f\u00fcr ein gutes Leben haben als Eltern mit Kind.<\/p>\n<p>Wir haben es ja geschafft, nicht mal \u00fcber unseren gemeinsamen Gemely-Urlaub zu bloggen. Wir sind mit dem Zug weit nach Italien gefahren, noch s\u00fcdlich von Rom. Hat alles bestens geklappt. Sandburgen gebaut, Pasta gegessen und viel gesehen. Spaziert und gelesen und ganz entspannt mit Kiko gewesen. Die gemeinschaftlich gesehen spannenden Herausforderungen liegen vor uns: Eine unserer Mitbewohnerinnen ist schwanger und n\u00e4chstes Jahr wird es ein weiteres Kind geben. Der Vater lebt nicht in unserer Gemeinschaft, deswegen ist nicht ganz klar, wie das aussehen wird, aber wahrscheinlich wird das Baby meistens in unserer Gruppe sein und f\u00fcr Kiko so was wie ein Geschwisterkind sein. Es ist noch eine Weile hin und vielleicht k\u00f6nnen wir sie ja daf\u00fcr gewinnen, dar\u00fcber zu schreiben, wie es sich anf\u00fchlt, neben uns ein Kind zu bekommen. Wir haben auch angeboten, sie irgendwie in unser \u201eKonzept\u201c zu integrieren, aber das scheint nicht angesagt zu sein. Joel wird dann der einzige Mensch in der Gruppe sein, der nicht verbindlicher Elternteil (im Sinne von festen Absprachen) ist (sie hat schon einen richtig guten Draht zu Kiko!), und sie hat bereits ausgesprochen, dass sie das Verschwinden der letzten reinen Erwachsenen-R\u00e4ume bef\u00fcrchtet. In letzter Zeit haben wir dieser Gefahr etwas entgegengesteuert und zum Beispiel endlich mal Kinderbetreuung organisiert. Unsere w\u00f6chentlichen Treffen finden seit wenigen Wochen tats\u00e4chlich ohne Kind statt. Das ist uns offensichtlich schwergefallen, Kiko wegzugeben, jetzt ist sie zwei Jahre alt und macht die ersten Babysitting-Erfahrungen.<br \/>\nWenn dann aber noch ein Kleinkind da ist, wird der Anspruch auf reine Erwachsenenr\u00e4ume jedenfalls herausgefordert. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass wir an diesem Anspruch nicht festhalten, sondern eher lernen, auch mal zwischendurch Entscheidungen zu treffen und (vielleicht nicht mit allen) emotionale R\u00e4ume zu pflegen, ohne diese reinen Erwachsenenrunden einzufordern. Mit dieser Forderung machen wir uns wahrscheinlich nicht gl\u00fccklich. Wenn ich das schreibe, hat das allerdings einen vielleicht bitteren Beigeschmack f\u00fcr die anderen, weil ich in unserer Gruppe sowieso schon immer meine Schwierigkeiten mit ritualisiertem emotionalen Austausch habe \u2013 aber wie soll das gehen, entspannte R\u00e4ume f\u00fcr Erwachsene mit Babys und Kleinkindern in der Gruppe? Vielleicht hab ich mich auch noch nicht genug damit angefreundet, dass sich andere um unsere Kinder k\u00fcmmern. Komisch, oder, dass ausgerechnet ein Co-Vater Probleme damit hat, sein Kind von anderen betreuen zu lassen\u2026?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die anderen sind weggefahren, ich bleibe alleine zu Hause. Kiko f\u00e4hrt mit A-lex und Emma nach M\u00fcnchen, Yuriko f\u00e4hrt zu einer Freundin in der Pfalz, ganz allein in Norddeutschland bleibt Heiko. Ein ganz komisches Gef\u00fchl zwischen Gl\u00fcck und Sehnsucht, eigentlich vielleicht Traurigkeit: Als wir auf der Treppe stehen und uns von Kiko verabschieden. 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