{"id":61,"date":"2014-01-12T11:38:29","date_gmt":"2014-01-12T09:38:29","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinsameltern.blogsport.de\/2014\/01\/12\/61\/"},"modified":"2014-01-12T11:38:29","modified_gmt":"2014-01-12T09:38:29","slug":"61","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsameltern.de\/?p=61","title":{"rendered":"Mehr Verantwortung \u2013 und meine Selbstgef\u00e4lligkeit"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Wochen nach dem letzten Eintrag ist das Ins-Bett-Bringen zumindest f\u00fcr mich kein Thema mehr. Ich finde es sogar sch\u00f6n. Ich hab noch mal eine ganz andere, gr\u00f6\u00dfere (gef\u00fchlt!) Verantwortung f\u00fcr Kiko. Mal weint sie, ich glaube aber nicht, dass es ihr tats\u00e4chlich schlecht geht, mal brabbelt sie zufrieden vor sich hin oder sagt gar nichts und braucht nur eine Weile, um eine gute Schlafposition zu finden. Wenn ich nicht mit ihr einschlafe, gehe ich gern ins Nachbarzimmer und mache Dinge ganz allein, w\u00e4hrend Yuriko noch ihrer eigenen Abendgestaltung nachgeht. Dann schaue ich Mails durch oder lese. Und ich w\u00e4re bereit f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt; ihr n\u00e4mlich nachts eine Flasche zu geben und sie gar nicht mehr zu stillen. Dar\u00fcber haben wir konkret noch nicht geredet (tun wir aber bestimmt n\u00e4chste Woche), aber irgendwo genie\u00dfe ich es, die volle Verantwortung zu haben und bin gespannt darauf. Wahrscheinlich w\u00fcrden wir einfach warme Dinkelmilch in die Flasche tun, das trinkt sie schon sehr gern, wenn sie aus ihrem Nachmittagsschlaf aufwacht.<\/p>\n<p>Vielleicht bin ich ein kleines bisschen inspiriert von einem Buch, das ich gerade lese und das mir wirklich gut gef\u00e4llt: \u201eFritzi und ich\u201c von Jochen K\u00f6nig (Herder-Verlag). Da schildert ein junger Vater sehr fl\u00fcssig geschrieben und ganz trocken davon, wie er seine Tochter als Haupterziehungsberechtigter aufzieht, w\u00e4hrend die Mutter des Kindes woanders wohnt und nur ab und zu mal das Kind nimmt. Der Vater macht also die meisten N\u00e4chte allein mit Fritzi und verbringt die Elternzeit auch mit vollem Einsatz f\u00fcr das Kind. Er schildert zum Beispiel, wie langweilig der Alltag mit Kind manchmal ist und wie er den Kontakt zu seinen Freunden zu verlieren f\u00fcrchtet, erz\u00e4hlt aber auch, wie er ganz gut allein mit den Aufgaben des Elternseins zurechtkommt. In vielem finde ich mich total wieder, weil ich (au\u00dfer Stillen) ja auch alles mache, was anf\u00e4llt. Ich bin jedenfalls kein Vater, der sich vor der Babykacke ekelt oder so.<br \/>\nAndererseits haben wir es viel leichter; was der Autor darstellt, ist genauso anstrengend, wie wenn eine Mutter das alleine stemmen muss (und das schreibt er auch) \u2013 und wir sind zu viert. Deswegen w\u00e4re unsere Geschichte als Buch vielleicht auch nicht so toll zu lesen, weil sich st\u00e4ndig alle fragen w\u00fcrden \u2013 wo ist euer Problem? Wir haben ja kein nennenswertes.<br \/>\nJedenfalls habe ich gro\u00dfen Respekt vor Leuten, die mit weniger als vier Erwachsenen ein Kind gro\u00dfziehen, und mit dem Autor kann ich mich besonders gut identifizieren, weil er auch ein Vater ist. Vielleicht will ich deshalb jetzt auch mal die N\u00e4chte ganz allein machen, weil ich das auch k\u00f6nnen will.<\/p>\n<p>Das Kind im Buch wurde nat\u00fcrlich auch nur kurz gestillt, sonst w\u00e4re das nicht gegangen. Und ich bin schon sehr froh dar\u00fcber, dass bei uns alles zusammen ging: Keine \u00dcberbelastung f\u00fcr die Biomutter und trotzdem das Stillen, das sich nach wie vor sehr nat\u00fcrlich anf\u00fchlt und das ja in vielerlei Hinsicht auch sehr praktisch ist. Wenn wir jetzt den geschilderten n\u00e4chsten Schritt angehen, birgt das auch Gefahren. Denn Kikos und Yurikos Beziehung hat ja viel mit dem Stillen zu tun. Ich bin sicher, dass die beiden auch ohne Stillen dicke Bande h\u00e4tten \u2013 sicher w\u00e4re es auch sch\u00f6n f\u00fcr Yuriko, ihre Tochter ein bisschen autonomer zu erleben \u2013 aber vielleicht f\u00fchlt es sich auch ein bisschen getrennt an, wenn Yuriko dann die ersten Wochen ganz ohne Kiko schl\u00e4ft. Und bei mir besteht immer die Gefahr, dass ich so stolz auf meine ersten allein \u00fcberstandenen N\u00e4chte bin, dass sich eine \u00dcberheblichkeit einstellt und ich Yuriko gegen\u00fcber nicht mehr diesen grenzenlosen Respekt aufbringe, den ich jetzt habe, weil sie immer f\u00fcr unser Kind da ist. Ich wei\u00df es nicht, ich kann eben einfach auch ganz sch\u00f6n selbstgef\u00e4llig sein.<\/p>\n<p>Vielleicht dazu passend hab ich noch ein Thema, \u00fcber das ich seit ein paar Tagen schreiben will. Ich hab ja das Gef\u00fchl, dass ich das gut hinkriege mit Kiko in den Zeiten, in denen ich mich um sie k\u00fcmmere. Seitdem ich sie zu Bett bringe, hab ich noch mehr dieses Gef\u00fchl.<br \/>\nDie Zeiten ohne Kiko genie\u00dfe ich aber weiterhin auch sehr. Hab ich ja schon erw\u00e4hnt, dass ich unglaublich gern an meinem Schreibtisch meinen verschiedenen Arbeiten nachgehe, die bezahlt werden oder kreativ sind oder sich sonst wie wichtig und richtig anf\u00fchlen. Ich freue mich auf jede Zeit ohne Kiko, obwohl ich so begeistert \u00fcber sie und so stolz auf sie und uns bin.<\/p>\n<p>Jetzt ist es so, dass die anderen den Umgang mit Kiko offensichtlich genauso gut hinkriegen. Sowohl tags\u00fcber als auch beim Ins-Bett-bringen. UND TROTZDEM gibt es da ein ganz seltsames Gef\u00fchl, und zwar: Die anderen tun mir ein bisschen leid, wenn ich ihnen Kiko \u00fcbergebe, meine \u201eSchicht\u201c zu Ende ist und ich meinen Dingen nachgehen kann.<br \/>\nGanz merkw\u00fcrdig.<br \/>\nSo \u00e1 la: \u201eF\u00fcr mich ist es zwar eine Herausforderung, das Kind zu haben, aber ich kriege es gut hin. Ihr habt es vielleicht schwerer mit ihr, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ihr mit dieser Herausforderung auch so euren Frieden macht wie ich\u201c.<br \/>\nUnd das ist nicht so. Oder? Es sieht wirklich nicht so aus. Das ist doch Selbstgef\u00e4lligkeit.<br \/>\nVielleicht geht\u2019s mir zu gut mit unserem Kind?<\/p>\n<p>Schreibt doch auch mal wieder was, liebe Co-Eltern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Wochen nach dem letzten Eintrag ist das Ins-Bett-Bringen zumindest f\u00fcr mich kein Thema mehr. Ich finde es sogar sch\u00f6n. 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