{"id":26,"date":"2012-11-20T00:19:46","date_gmt":"2012-11-19T22:19:46","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinsameltern.blogsport.de\/2012\/11\/20\/als-bio-vater\/"},"modified":"2012-11-20T00:19:46","modified_gmt":"2012-11-19T22:19:46","slug":"als-bio-vater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsameltern.de\/?p=26","title":{"rendered":"Als Bio-Vater\u2026"},"content":{"rendered":"<p>Ja hallo \u2013 jetzt komm ich auch mal ins Spiel. Ich bin Heiko, der Bio-Vater, der Freund von Yuriko (oder wie sie hier im Blog hei\u00dft) und der Vater von Kiko (oder wie sie hier im Blog hei\u00dft). Ich mach auch voll und ganz mit beim GemEly-Experiment und hab bis jetzt nur noch nichts geschrieben, weil ich \u00fcberhaupt keine Zeit dazu hatte, den Blog auch nur anzuschauen. Jetzt habe ich damit angefangen und bevor es jetzt ewig dauert, bis ich mir alle Beitr\u00e4ge durchgelesen habe, schreibe ich jetzt an einem Ort ohne Internet ein paar Zeilen dazu, wie es mir geht. Ich finde n\u00e4mlich zwar, dass alles hervorragend l\u00e4uft und dass die Kleine ganz wunderbar ist, dass wir als Gruppe toll zusammenkommen durch die Elternschaft und dass ich mich auch nicht schlecht anstelle als Vater, aber wie Yuriko heute beim Mittagessen mit mir und Emma sehr gut auf den Punkt gebracht hat: W\u00e4hrend die anderen drei Haupt-Co-Eltern (Emma, Yuriko und A-lex) durch unsere Elternschaft eher aufzubl\u00fchen scheinen, hat mich das Ganze eher in eine gewisse Identit\u00e4tskrise oder so geschoben. Obwohl ich der bin, der offiziell Elternzeit macht und daf\u00fcr sogar Geld kriegt, komme ich \u00fcberhaupt nicht runter. Ich bin permanent dabei, irgendwelche \u201ewichtigen\u201c Sachen zu machen. Die Zeit mit Kiko nehme ich mir, wenn kein_e andere_r da ist, der sie nehmen will, und auch wenn ich mich freue, sie zu sehen, wie sie w\u00e4chst und sich bewegt und mich anschaut und alles, kriege ich doch meine To-Do-Liste nicht aus dem Kopf. Noch den M\u00fcll von unserem Gel\u00e4nde r\u00e4umen, weil doch f\u00fcr den Brandschutz die B\u00e4ume dazwischen gef\u00e4llt werden m\u00fcssen. Noch die Fassade des Bauwagens d\u00e4mmen. Noch hier was basteln und dort was putzen. Dieses Projekt noch abschlie\u00dfen und jenes schon vorbereiten. Und wenn ich diese Sachen dann mache, bin ich meistens gar nicht gl\u00fccklich. Da l\u00e4uft also was schief, und auch wenn ich gar nicht auf die Idee gekommen w\u00e4re, mir das einzugestehen, bin ich doch sehr froh, dass das heute auf den Tisch kam.<br \/>\nBevor Kiko da war, hatte ich schon volles Programm, habe Geld verdient f\u00fcr mich und auch noch was dazu f\u00fcr Yuriko, die noch studiert und nur ein bisschen Unterst\u00fctzung kriegt. Ich habe mich in meiner Gemeinschaft engagiert und ich hatte meistens irgendein Kunstprojekt \u2013 ich habe Filme gemacht und ein Buch geschrieben. Das war immer super, das Schreiben oder das Filmen. Das hat mir auch die sonst oft langweiligen Brot-Jobs vers\u00fc\u00dft \u2013 \u00dcbersetzungen, Grafiksachen, PR-Kram, au\u00dferdem die Pflege meiner kranken Mutter. Meistens ging es mir gut \u2013 viel Kraft kam von der Kunst, aber auch B\u00fccher und die Liebe zu Yuriko haben mich befeuert.<br \/>\nAuf unser Kind habe ich mich sehr gefreut \u2013 dass wir das als Vierergruppe gro\u00dfziehen (zur Info \u2013 Joel hat mal gesagt, dass sie sich nicht im engen Kreis der GemEly sieht, deswegen rede ich oft von vier Leuten, obwohl sie das in Blogeintr\u00e4gen auch schon anders formuliert hat) fand ich gar nicht so relevant \u2013 es ist ja mein erstes Kind, da ist sowieso alles neu. Und nicht alles alleine verantworten m\u00fcssen, das klang auf jeden Fall gut.<br \/>\nJetzt sind neun Wochen vergangen und ich schreibe, dass es mir insgesamt nicht so richtig gut geht \u2013 aber womit genau nicht? Was ist daran \u201edas Vater werden an sich\u201c, was ist daran \u201emein eigener Film\u201c, was ist daran vielleicht auch \u201edas gemeinsam Eltern sein\u201c?<\/p>\n<p>Eine Sache ist, dass ich (leider) total auf Sachen-machen abgerichtet bin. Ich beschwere mich \u00fcber meine To-Do-Listen und komm trotzdem gar nicht raus aus diesem Trott. Von l\u00e4ngeren Reisen und Wanderungen wei\u00df ich, dass ich auch anders kann, aber hier in meiner Heimatgemeinschaft schaffe ich das nicht \u2013 die E-Mails str\u00f6men weiterhin und \u00fcberall um mich herum ruft mich meine Verantwortung. Eigentlich schalte ich zu Hause nur ab, wenn ich lese, Film gucke oder beim Sex. Vielleicht noch beim Baden in unserem Teich. Das ist der Teil, da f\u00fchle ich mich einfach ein bisschen verkorkst. Ich bin damit zwar ein produktiver Teil der Gemeinschaft (das die anderen oft genug in den Wahnsinn treibt mit seinem Leistungsdenken), aber jetzt heult mein Motor irgendwie auf wie im Leerlauf. Denn eigentlich habe ich gar nicht mehr so viel zu tun \u2013 ich habe meine Bezahljobs aufgegeben und k\u00f6nnte ziemlich viel mit Kiko herumliegen \u2013 aber das kann ich buchst\u00e4blich nicht. Ich meine, wenn ich das jetzt hier so schreibe, frage ich mich nat\u00fcrlich \u2013 warum denn nicht? Warum versuche ich es denn nicht?<br \/>\nBis jetzt habe ich, wenn ich Kiko tags\u00fcber hatte, sie meistens ins Tragetuch gepackt und dann mit ihr meine Runden erledigt \u2013 das Papier wegbringen oder im Zimmer meiner Mutter staubsaugen oder sogar am Computer arbeiten. Und dann war ich immer ganz stolz darauf, was ich alles schaffe, mit (trotz!) Baby. Bevor sie kam, habe ich mir f\u00fcr die Elternzeit vorgestellt, dass ich mit ihr im Tragetuch durch unser Dorf laufe und vielleicht mal ein paar Fotos mache (das ist zwar wieder was N\u00fctzliches TUN, aber bis jetzt war mir ja selbst das noch zu UNPRODUKTIV). Oder dass ich mit ihr oft in ein Waldst\u00fcck gehe, das ich sch\u00f6n finde, dessen Begehung aber nat\u00fcrlich v\u00f6llig sinnfrei ist, weswegen ich alleine nie dorthin ging.<br \/>\nLetzte Woche war ich mal krank, f\u00e4llt mir ein, da lag ich dann tags\u00fcber einfach mal mit dem Baby herum und das war auch sch\u00f6n (allerdings auch, weil meine Krankheit sich dann nicht mehr sinnlos angef\u00fchlt hatte \u2013 wenigstens konnte ich das Kind betreuen, damit die anderen was N\u00fctzliches tun k\u00f6nnen).<br \/>\nJe mehr ich schreibe, desto krasser finde ich mich selbst.<br \/>\nAls ich vorgestern dran war mit Babybetreuung und mir schon ausgemalt hatte, was ich mit Kiko im Tragetuch alles vollbringen w\u00fcrde (Brettertransport f\u00fcr meine Bauwagenfassade!), kam doch tats\u00e4chlich Yuriko an und schlug vor, mich und Kiko bei einem Spaziergang zu begleiten. Ich sagte ja, weil ich ja auch gern mit Yuriko zusammen sein will, aber tats\u00e4chlich kam ich damit gar nicht so gut klar \u2013 weil ich dachte, sie m\u00fcsste das doch AUSNUTZEN, dass ich das Kind nehme, sie muss ihre knappe Zeit doch SINNVOLL VERWENDEN. Aber nein, sie genie\u00dft einfach den sonnigen Nachmittag. Unglaublich.<\/p>\n<p>Na und das gemeinsam Eltern sein, was k\u00f6nnte das damit zu tun haben, wie es mir geht?<\/p>\n<p>Mir war klar, dass es f\u00fcr mich ein einschneidendes Erlebnis sein w\u00fcrde, Vater zu werden und Elternzeit zu nehmen. Ich hatte sogar eine Hoffnung damit verbunden, dass ich n\u00e4mlich mal runter komme von meinem Leistungstrip, mich mehr verbinde mit den Menschen um mich herum, mit dem Ort, an dem ich lebe, mit dem Elementaren. Weniger virtuell leben, mehr real. Mich von Baby verzaubern lassen.<br \/>\nTats\u00e4chlich lebe ich mehr Gruppe, seit wir gemeinsam Eltern sind. Ich habe schon Schritte gemacht zu einem sozialeren Wesen, seitdem ich die anderen viel \u00f6fter sehe, weil wir oft zusammen essen und weil ich viel \u00f6fter in unserem Gemeinschaftshaus bin, weil wir da oft mit Kiko schlafen (manchmal schlafe ich mit Yuriko und Kiko auch in meinem Bauwagen).<br \/>\nDadurch, dass mich die Babybelastung aber nur ganz soft erreicht (ich muss ja nur jede dritte Nacht unruhig schlafen neben Kiko und Yuriko, und tags\u00fcber kann ich oft einfach arbeiten wie fr\u00fcher), ist aber vielleicht auch der gro\u00dfe Knall ausgeblieben, der mir v\u00f6llig klar gemacht h\u00e4tte, dass mein altes Leben vorbei ist und ein Neues anf\u00e4ngt. Kiko soll doch nicht einfach nur ein Projekt sein wie ein Film oder ein Buch, Kiko soll Teil meines Bewusstseins und meiner Pers\u00f6nlichkeit werden \u2013 jedenfalls was Gr\u00f6\u00dferes als ein Projekt unter vielen, als ein Punkt auf der To-Do-Liste. Stattdessen hab ich jetzt manchmal ein bisschen Kiko, was nett ist, mich aber nicht dazu bringt, meine alte Haut abzulegen und mich neu zu erfinden.<br \/>\nIch will von der armen Kleinen nat\u00fcrlich gar nichts verlangen, das liegt alles komplett in meiner eigenen Verantwortung, aber durch unseren hohen \u201eBetreuungsschl\u00fcssel\u201c wird es mir halt (zu?) leicht gemacht, mich nicht zu ver\u00e4ndern.<br \/>\nVielleicht nicht schlecht, mir das klar zu machen<\/p>\n<p>Ein andermal mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja hallo \u2013 jetzt komm ich auch mal ins Spiel. Ich bin Heiko, der Bio-Vater, der Freund von Yuriko (oder wie sie hier im Blog hei\u00dft) und der Vater von Kiko (oder wie sie hier im Blog hei\u00dft). 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