{"id":173,"date":"2020-03-07T07:28:33","date_gmt":"2020-03-07T07:28:33","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinsameltern.de\/?p=173"},"modified":"2020-03-07T17:22:56","modified_gmt":"2020-03-07T17:22:56","slug":"schadensmeldung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsameltern.de\/?p=173","title":{"rendered":"Schadensmeldung"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Praxis ist es vielleicht nur eine unwesentliche Ver\u00e4nderung, was Emma sich zuletzt ausgedacht hat \u2013 aber es mischt uns ordentlich auf, macht (mir) Angst und ver\u00e4ndert, meiner Wahrnehmung nach, drastisch die Familienstimmung. Ich will auch nicht viel \u00fcber sie schreiben, sondern \u00fcber die Ver\u00e4nderung in der Gemely und wie es sich f\u00fcr mich anf\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die konkrete kleine Ver\u00e4nderung ist, dass Emma an manchen Tagen\nder Woche jetzt nicht mehr mit uns anderen drei Eltern und den Kindern zusammen\nzu Mittag isst, sondern sich eine andere WG im Dorf gesucht hat, mit der (in\nderen K\u00fcche) sie diese Zeit verbringt. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist seit drei Monaten krankgeschrieben und schon seit\neinem halben Jahr mit diversen Symptomen unterwegs \u2013 von k\u00f6rperlicher Schw\u00e4che\nbis zu wiederkehrenden Erk\u00e4ltungen \u2013 und zum Schluss gekommen, dass unser\nFamilienleben ein wichtiger Ausl\u00f6ser f\u00fcr ihre Krankheit ist. Als Yuriko und ich\nmit den Kindern neulich eine Woche weg waren, ging es ihr besser, als wir\nwiederkamen, wieder schlechter (obwohl ich nach unserer R\u00fcckkehr zwei Wochen\nmit Mittelohrentz\u00fcndung im Bett lag und in der Familie v\u00f6llig abwesend war). Das\nhat sie auch fr\u00fcher schon beobachtet. Jetzt isst sie mittags mit anderen\nErwachsenen, kein Geschrei, weniger Chaos, sie merkt, dass es ihr damit besser\ngeht.<\/p>\n\n\n\n<p>OK, das k\u00f6nnte man jetzt auch so stehen lassen. Hauptsache,\nEmma wird wieder gesund. Sie stellt die Gemely oder ihre Elternschaft auch\nnicht in Frage, wie sie sagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist halt, laut Emma, anstrengend bei uns. Und: Das liegt\nauch daran, dass wir uns nicht genug um unsere Beziehungen k\u00fcmmern. Emma hat\nfestgestellt, dass die vielen ungekl\u00e4rten Probleme zwischen uns die Stimmung\nvergiften. Sie ist nicht gut darin, so was anzusprechen und zu kl\u00e4ren, sie\nzieht sich das alles rein, und davon wird sie krank.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist dann doch nicht so einfach, das so stehen zu lassen.\nDenn auf einmal wurde aus einer r\u00e4tselhaften Krankheit einer Person ein verkorkstes\nSystem, zu dem ich selbst beitrage. Und obwohl ich selbst gute Erfahrungen mit\nTherapie gemacht habe, bin ich nicht bereit, mir diesen Schuh anzuziehen. Auch\nwenn ich manchmal ungeduldig bin, andere Vorstellungen von Gerechtigkeit habe\noder skeptisch gegen\u00fcber esoterischen (\u201ealternativen\u201c) Methoden, Behandlungen\nund Heilmitteln bin \u2013 ich halte mich f\u00fcr einen fairen und zuverl\u00e4ssigen Spieler\nin unserem Viererteam. Wie jede Gruppe w\u00fcrde uns eine regelm\u00e4\u00dfige Supervision\nnicht schaden. Aber wir brauchen sie, finde ich, auch nicht mehr als andere\nGruppen. Das Wichtigste, was wir einander zu bieten haben, ist unsere\ngemeinsame Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe in diesem Blog schon dr\u00fcber geschrieben, wie man\nauch mit unterschiedlichen Menschen klarkommen kann, mit denen man es eigentlich\nnicht so einfach hat, wenn man sich zusammen auf ein Ziel einschw\u00f6rt. Immer\nwieder stelle ich fest, wie viel Respekt ich vor allen Gemely-Mitgliedern habe,\nweil wir zusammen diese Kinder begleiten, mit einer Vision, mit Liebe, Toleranz\nund manchmal (wenn die Nerven arg gespannt sind und alle drei herumflippen)\nzusammengebissenen Z\u00e4hnen. <em>Nat\u00fcrlich<\/em>\nist es anstrengend, manchmal. Die Kinder sind klein, singen, tanzen, springen,\nvor, nach und w\u00e4hrend des Essens.<\/p>\n\n\n\n<p>Was kann ein Elternteil tun, wenn Familie zu anstrengend\nist?<\/p>\n\n\n\n<p>Darf das \u00fcberhaupt sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind Fragen, die mich besch\u00e4ftigen. Am Liebsten will ich diese Fragen gar nicht erst stellen und wahrscheinlich bin ich aufgew\u00fchlt und sogar w\u00fctend, weil Emma es tut. Meine Mutter hat zwei kleine Jungs allein gro\u00dfgezogen und ich bin mir sicher, dass es ihr zu anstrengend war. Manchmal war sie krank, es ging ihr hundeelend, und trotzdem hat sie uns f\u00fcr die Schule klargemacht und sp\u00e4ter ein Mittagessen gekocht. Und dann ist da Emma, nach au\u00dfen hin funktionst\u00fcchtig, im Dezember erst drei Wochen \u201eAuszeit\u201c genossen, hat Spa\u00df mit den Erwachsenen in der anderen K\u00fcche und richtet sich gerade ein neues Atelier ein, das ebenfalls gen\u00fcgend Abstand zur Familie haben wird \u2013 und findet es zu anstrengend. Es f\u00e4llt mir super schwer, das zu h\u00f6ren und zu akzeptieren, ich gebe es zu. Da hab ich einen blinden Fleck. Das darf bei mir scheinbar irgendwie nicht sein, dass bei allen Ver\u00e4nderungen auch nur im Mindesten an der Variablen \u201eElternschaft\u201c gedreht wird; genau das passiert aber, wenn Emma jetzt beim gemeinsamen Mittagessen mit den Kindern fehlt. Es ist irrational von mir, stimmt schon. A-lex hat zwei Jahre lang nicht mit uns gegessen, weil er mittags in der Firma war. Ich habe nach unseren Arbeitszeitvereinbarungen nur einen festen Nachmittag unter der Woche die Kinder, also eh schon <em>halb<\/em> so viel wie Emma. Dazu kommt, dass wir auch gut zu dritt oder zu zweit (diese Woche ist Yuriko beispielsweise sechs Tage am St\u00fcck arbeiten) mit den Kindern essen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, ich reagiere so giftig auf Emmas Ma\u00dfnahme. Warum?<\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich neidisch auf sie bin und auf das, was \u201esie sich\nrausnimmt\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich als notorischer Besserwisser nicht guthei\u00dfe, was\nsie sich ausdenkt, um wieder gesund zu werden? <\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich ihr unterstelle, viel mehr an sich zu denken als an\nuns und die Familie?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sollten wir uns unsere Beziehungen untereinander\ndoch noch mal ein bisschen genauer anschauen\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Praxis ist es vielleicht nur eine unwesentliche Ver\u00e4nderung, was Emma sich zuletzt ausgedacht hat \u2013 aber es mischt uns ordentlich auf, macht (mir) Angst und ver\u00e4ndert, meiner Wahrnehmung nach, drastisch die Familienstimmung. 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