{"id":118,"date":"2016-02-05T22:42:34","date_gmt":"2016-02-05T20:42:34","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinsameltern.blogsport.de\/2016\/02\/05\/leben-zu-siebt\/"},"modified":"2016-02-05T22:42:34","modified_gmt":"2016-02-05T20:42:34","slug":"leben-zu-siebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsameltern.de\/?p=118","title":{"rendered":"Leben zu siebt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Zwillinge sind da!<\/strong><\/p>\n<p>Und haben aus einer ganz normalen, beschaulich das Leben genie\u00dfenden Gemely (so nennen wir unsere Co-Elternschaft aus vier Erwachsenen und bisher einer 3-j\u00e4hrigen Tochter) einen 7-k\u00f6pfigen Dauerbesch\u00e4ftigungszustand gemacht.<br \/>\nDie gute Nachricht: Wenn ich alle drei Tage 24 Stunden lang zusammen mit der Milch pumpenden und stillenden biologischen Mutter Babydienst habe, bin ich danach weich und gl\u00fccklich. Komme gut damit klar, dass wir vier Erwachsenen jetzt viel \u00f6fter zusammen sind und mit unseren jeweiligen Schrullen leben m\u00fcssen, und stecke auch den verpassten Schlaf der Babynacht gut weg.<br \/>\nFreizeit ist allerdings selten geworden und beruflich sowie ehrenamtlich muss ich mich auch rarer machen. Zu sehen, wie wenig Schlaf die Biomutter (meine Partnerin) bekommt, ist betr\u00fcblich, und dass wir \u00fcberhaupt keine Zeit mehr nur zu zweit haben, sollte bitte kein Dauerzustand werden.<\/p>\n<p><strong>Was bisher geschah<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich hatten wir uns zu f\u00fcnft sehr gut eingerichtet. Unser erstes Kind gedeiht pr\u00e4chtig und macht im Alter von bald dreieinhalb Jahren so richtig viel Spa\u00df. Wir wollten auch deshalb noch ein Kind, weil wir ihr ein Geschwisterchen geg\u00f6nnt haben; noch jemand, der in einer (trotz des gro\u00dfen Erfolges) leider doch ungew\u00f6hnlichen Familienkonstellation aufw\u00e4chst.<br \/>\nDass sich da zwei Kinder in den Bauch geschlichen haben (und so schnell: Am Abend der Entscheidung f\u00fcr ein zweites Kind wurde schon gezeugt!), war eine \u00dcberraschung. Und hat leider dazu gef\u00fchrt, dass die Biomutter vor der Niederkunft drei Monate liegen musste und die Zwillinge nach der Geburt noch 6 Wochen in Krankenh\u00e4usern aufgep\u00e4ppelt werden mussten. Aber am 22. Januar durften sie nach Hause, und dort haben wir unser Wohnzimmer zum Babyschlaflager umfunktioniert.<\/p>\n<p><strong>Alles neu<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir vorher f\u00fcr jeden Elternteil den komfortablen Rhythmus von drei freien N\u00e4chten und dann einer Nacht mit dem Kind gepflegt hatten \u2013 tags\u00fcber waren dank Kindergarten meist sogar nur noch zwei Bezugspersonen n\u00f6tig, die sich die Nachmittagsbetreuung teilten \u2013 haben wir jetzt jeweils nur noch alle drei N\u00e4chte frei, die Biomutter Yuriko gar nicht: Jeder nicht-milchgebende Elternteil hat 24 Stunden Babydienst mit Yuriko, von Abend bis Abend, dann eine Nacht frei, dann einen Abend das \u201egro\u00dfe\u201c Kind. Dann wieder Baby, frei, Kind. So sind immer zwei Leute mit den Zwillingen besch\u00e4ftigt \u2013 entweder gleichzeitig, wenn beide Hunger haben oder Bauchweh oder sonstwie bespa\u00dft werden m\u00f6chten \u2013 oder einer f\u00fcr beide Babys, damit die andere Person zum Schlafen kommt. Gestern Abend zum Beispiel hat A-lex die Nacht mit unserer Tochter gemacht, das hei\u00dft, er schlief in ihrem Zimmer. Emma hatte frei und hat sich nach ein bisschen Kuscheln mit A-lex in ihren Bauwagen verzogen. Yuriko konnte nach Stillen und Essen und Pumpen um halb elf endlich schlafen gehen und ich blieb bis halb vier Uhr morgens bei den Babys: F\u00fcttern, wickeln, herumtragen, dazwischen (mit dem jeweils am h\u00f6rbarsten meckernden Baby auf dem Arm) eine Folge Serie gucken und sp\u00e4ter sogar noch etwas arbeiten (find ich immer witzig, wenn meine Mails um 3 Uhr nachts verschickt werden, das macht doch was her\u2026). Um halb vier \u00dcbergabe an Yuriko und vier Stunden schlafen, dann wieder Einsatz f\u00fcr die Babys mit etwas Computerarbeit nebenbei. Heute Vormittag habe ich getippt, dabei 80-Jahre Platten geh\u00f6rt (Men without Hats, Bananarama) und beide Babys haben zufrieden vor sich hin ged\u00f6st \u2013 ein toller Moment.<\/p>\n<p><strong>Wie weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Nach etwa zwei Wochen Babys im Haus ist immer noch alles neu. Einerseits \u00fcberkommt mich zuweilen Panik, wie wir das alles schaffen sollen: Wer verdient jetzt eigentlich noch das Geld f\u00fcr uns sieben? Wir wollen in diesem Jahr ein Haus bauen! Wann soll ich alles schaffen, was um mich herum zu tun ist?<br \/>\nAndererseits leben wir ein absolut intensives Leben ganz im Moment. Die Babys wachsen und sind gesund, das Allerwichtigste. Jede neue Woche mit ihnen wird wieder einzigartig. Wir bew\u00e4hren uns, einzeln wie zusammen. Wir schaffen es, unsere Tochter sanft ins Leben einer Schwester zu f\u00fchren (jetzt hat nicht mehr jeder sofort Zeit f\u00fcr sie und sie kann auch nicht mehr so wild herumtoben wie fr\u00fcher, wenn die Babys in der N\u00e4he sind). Wir kriegen immer noch ganz sch\u00f6n viel gebacken (unser Hausbauvorbereitungsprozess l\u00e4uft gut) und manchmal habe ich auch einfach frei: Morgen Vormittag kann ich machen, was ich will.<\/p>\n<p>Auch den heutigen Abend habe ich zur freien Verf\u00fcgung, und als ich mich dann von der Familie gel\u00f6st hatte und in meinem Zimmer stand, stellte ich fest: Ein freier Abend verursacht mir ein bisschen Stress. Frei haben ist jetzt so was Besonderes, dass ich unbedingt was draus machen muss.<br \/>\nIch wusste, dass am anderen Ende des Dorfes eine Party stattfindet, und obwohl ich nicht eingeladen war, bin ich durch Nacht und Regen mit Schnaps und Zitrone zu dieser Party gewandert. Ich habe mir n\u00e4mlich neulich aus einer Laune heraus seit 25 Jahren zum ersten Mal wieder eine Flasche Tequila gekauft, und auf einer Party Tequila zu trinken, das w\u00e4re schon ein besonderer Zeitvertreib f\u00fcr den freien Abend. Die Party hat sich als sehr kleine und sehr junge geschlossene Gesellschaft entpuppt, gruppiert um ein paar Teelichter, und da bin ich dann sehr schnell wieder abgezogen. Vater von drei Kindern versucht verzweifelt, einen drauf zu machen?<br \/>\nFicht mich nicht an, ich habe es versucht und darf jetzt auf den bew\u00e4hrten Plan B zur\u00fcckgreifen: Folge Serie gucken (House of Cards), Chips, lesen. Und ich erw\u00e4ge, den Tequila allein zu probieren. Einmal frei in drei Tagen, das ist einfach wenig. Wie war das, Salz, Schnaps, Zitrone: Uaaah.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zwillinge sind da! 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